Unterschiedliche kulturelle Entwicklungsstadien
In einer kleinen Stammesgemeinschaft ist das Leben relativ einfach: es gibt deutliche Regeln für das Verhalten eines jeden einzelnen, eingelebte Problemlösungen, die seit langem erprobt sind, die von Generation zu Generation überliefert werden, die jeder kennt; und jeder kennt die Folgen für sich und andere, wenn Regeln verletzt werden. Vorteile liegen auf der Hand: Übersichtlichkeit, Deutlichkeit und durch eingelebte Verhaltensweisen "natürliche" Problemlösungen, die nicht weiter hinterfragt werden.
Moderne, besonders post-moderne Gesellschaften sind im Gegensatz zu einer Stammesgemeinschaft enorm leistungsfähig, hoch arbeitsteilig / differenziert, wodurch immer mehr Wissen in immer höherem Tempo produziert wird, wobei Wissenverarbeitung, Informationbereitstellung und Kommunikation kaum noch raumgebunden sind. Vorteil dieser Entwicklungen sind steigende Kombinationsmöglichkeiten von Wissen und Informationen aus unterschiedlichen Teilbereichen, wodurch neue Möglichkeiten zu neuen und "nicht-gedachten" Produkten und Dienstleistungen eröffnet werden, hohe Innovationsfähigkei, aber auch ungeplante Ergebnisse, welche für jede denkbare Kreativität Möglichkeiten bietet. Dies ist charakteristisch für spontane Ordnungen.
Nachteil dieser Entwicklung ist das Fehlen eines identifizierbaren Zusammenhangs, Bezugslosigkeit oder Mehrdeutigkeit von Regeln; bestehende Problemlösungen werden entweder gar nicht, oder - aktionistisch - immer schneller ersetzt, deren Bewährung oft zweifelhaft ist beziehungsweise angezweifelt wird (je nach Interessenlage und / oder Weltanschauung). Daß ein Einzelner die Übersicht behalten kann, gehört wohl ins Reich der Fiktionen. Mangel an Gesamtwissen und hieraus resultierende fehlende Übersichtlichkeit und schließlich Mangel an Steuerungsmöglichkeiten sind die Folge. Man sieht mehr oder weniger alle Bäume, aber nicht mehr den Wald mehr.
Vorteile wie Nachteile von Gemeinschaften und Gesellschaften werden auch in heutigen Unternehmen gefunden.
In modernen Unternehmen ist Führbarkeit mit möglichst geringen Effizienzverlusten eine der zentralen Aufgaben: In Unternehmen, die komplexere Strukturen aufweisen, komplex im Hinblick auf Prozesse, Aufgaben und im Hinblick auf Wissen, das zum Einsatz kommen kann, auf Ansätze für Problemlösungen, wird effiziente Steuerung zum Problem, da spontane Teilordnungen entstehen, sehr häufig auf der Basis von Expertenwissen, Ausbildungen, Disziplinen. Letztere bestimmen häufig die Rangordnung in einem Unternehmen, mit unterschiedlichen, nicht immer positiven Wertschätzungen gegenüber der jeweils Anderen. Dies alles beeinflußt, konditioniert die Kommunikation im Unternehmen, führt zu interessengeleitetem selektiven Umgang mit Informationen und schlußendlich wird durch all dies das Ausmaß festgelegt, in dem Wissen reibungslos zum Nutzen des Unternehmens eingesetzt werden kann. Und genau dies bestimmt in nicht zu zu unterschätzendem Maße Innovations- und Entwicklungspotential eines Unternehmens.
Nachteile einer einfachen Gemeinschaft ist genau der Mangel dessen, was der Vorteil einer differenzierten Geselchaft ist. Einfach ausgedrückt: Starrheit, Unflexibilität und vor allem Mangel an Beziehungen zu Außenwelten (autark), tradierte, feste Wahrheiten.
Die "Komplexität" eines Unternehmens, vor allem in Hinblick auf die Wissens- und Informatonsstruktur, gleicht eher einem Biotop in der Natur denn einer wohlorganisierten Zweckordnung. Versucht man in einem Biotop Ordnung zu schaffen durch "Durchregieren", ist das Resultat ein kultureller Kahlschlag, mit unvorhergesehenen Folgen: durch Kahlschlag wird das was ein Biotop an Möglichkeiten bieten kann, reduziert auf die Möglichkeiten derer, die kahlschlagen: dies mag wie "Führung" aussehen die im herkömmlichen Sinne funktionieren mag, insofern man eine wohlgeordnete Zweckordnung unterstellt wie sie zum Beispiel in einem Organisationsplan zum Ausdruck kommt. Dies ist jedoch oft Wunschdenken vieler Führungskräfte.